Schärz & Frey GmbH

Schweiz

Das Antiquitätengeschäft Schärz & Frey befindet sich bereits in den Händen der dritten Generation. Zwar nicht mehr als Familienbetrieb, aber doch irgendwie. Roland Schärz erzählt vom Geschäft seines Vaters und früheren Zeiten. Vom Alter her könnten es Vater und Sohn sein, dies ist jedoch nicht der Fall. Beat Frey hat 1982 beim Familienunternehmen Schärz an der Oberen Vorstadt seine Ausbildung als Innendekorateur gemacht. Dann folgten Weiterbildungen, die Meisterprüfung als Polstermeister und das Studium von Modern Design. Das Herz hatte Beat Frey jedoch bereits an die geschichtsträchtigen Antiquitäten verloren. So kam es, dass Roland Schärz und Beat Frey im Jahr 1997 eine GmbH gründeten. Nach Roland Schärz’s Herzinfarkt hat Beat Frey im 2007 die Firma ganz übernommen. Doch Beat Frey betreut nach wie vor seine Kundschaft und reist in der ganzen Schweiz umher, um das zu machen, was er bereits von Kindesbeinen an gelernt hat: Aus alt mache neu, aber in der bewährten alten Qualität. «Die langsamen Berner?» Roland Schärz’s Vater, Moritz Schärz, Tapezierer Dekorateur von Beruf, kam 1948 von Biel nach Aarau auf der Suche nach einem guten Markt im Bereich Polsterung und einem geeigneten Haus, um ein eigenes Geschäft zu eröffnen. Für ein Jahr mietete er eine Doppelgarage und liess dann seine Frau Hulda und seinen 8-jährigen Sohn Roland in den Aargau kommen. An der Vorderen Vorstadt 34 fand die Familie ein geeignetes Haus mit Schaufenster, einer Werkstatt und der Möglichkeit, im oberen Stock zu wohnen. Leisten konnte sich Moritz Schärz das Haus jedoch noch nicht, ein Onkel kaufte es und versprach, der Familie das Haus zu demselben Preis wieder zu verkaufen, wenn diese sich etabliert hätte. Zehn Jahre später war es soweit: Moritz Schärz kaufte seinem Onkel das Haus ab. «Im Winter haben sich bei den Vorfenstern Eisblumen gebildet», erinnert sich Roland Schärz an sein Zuhause. Am Anfang in Aarau habe er schulisch viel aufholen müssen und wurde von den Kindern aufgrund des «langsamen Berners» gehänselt. «Aber mit der Zeit und spätestens als ich begonnen habe Eishockey zu spielen, war ich vollkommen in Aarau integriert und zu Hause. «Eishockey war meine Leidenschaft, früher haben wir auf Natureis gespielt. Ich habe eine schöne Jugend erlebt. Wir konnten uns nicht besonders viel leisten,aber ich war zufrieden», erinnert sich Roland Schärz zurück. Auslieferung per Velo «Wir haben die Möbel am Anfang mit dem Militärvelo und einem Anhänger an die Kunden ausgeliefert», erzählt Roland Schärz und fügt an: «Ich wurde nie gedrängt, denselben Beruf wie mein Vater zu erlernen. Auch wäre ich gerne Koch geworden, da ich in der Pfadi immer für alle gekocht habe. Aber da ich mir auch mal einen «Batzen» dazuverdienen wollte, habe ich im heimischen Betrieb mitgeholfen und so auch den Zugang zum Polstern gefunden». So kam es, dass Roland Schärz im selben Betrieb wie einst sein Vater, bei der Firma Widmer in Olten, seine Lehre als Tapezierer Dekorateur absolvierte. 1963 wurde Roland Schärz’s Vater krank und der Sohn kehrt von seinem WK in den heimischen Betrieb zurück. Mit der Unterstützung seiner Eltern begann er das Geschäft zu managen. Danach folgten Weiterbildungskurse und Meisterprüfungen. Zeiten ändern – Werte bleiben Roland Schärz’s Mutter, Hulda Schärz sei nachhaltig an der guten Entwicklung des Geschäftes beteiligt gewesen. So habe die gelernte Uhrmacherin, nach dem Umzug in den Aargau, Weiterbildungen besucht, um im Betrieb mitzuhelfen. Wenn ein dringender Auftrag anstand, kam es schon mal vor, dass Hulda Schärz bis um drei Uhr morgens an der Nähmaschine sass. So erledigte sie bis 80-jährig die Buchhaltung des Antiquitätengeschäfts Schärz. «Ich glaube, wenn man ein Leben lang mit Herz und Seele für das eigene Geschäft gelebt hat, kann man gar nicht anders, als weiter zu arbeiten», sinniert Beat Frey. Dies sähe man nun auch bei Roland Schärz, obwohl er bereits seit drei Jahren pensioniert sei, arbeite er noch voll mit und betreue seine Kundschaft. Der Wechsel zu Antiquitäten Mit 28 Jahren spezialisierte sich Roland Schärz auf Antiquitäten, dies aufgrund der grossen Nachfrage nach speziellen Stücken. Bis dahin mussten Antiquitäten, die zur Polsterung in den Betrieb kamen, für die Restauration ausser Haus gegeben werden. Als die Schreinerei Honold an der Bachstrasse Konkurs ging, konnte Roland Schärz die Konkursware übernehmen und auch die Schreinerei. So begann das Antiquitätengeschäft Schärz mit der eigenen Restauration. 1971 gründete Hulda Schärz zusammen mit weiteren Antiquitäteninteressierten den Verband «Antiquare und Restauratoren ». Daraus entstand die frühere «Schweizerische Antiquitätenmesse », die heutige überaus etablierte FineArt in Zürich. 1975 übernahm Roland Schärz den Familienbetrieb von seinen Eltern. Nach etlichen Umzügen der Schreinerei befindet sich das Restaurationsatelier nun mit zwei Mann am Schreinergässli in Entfelden. In den 60 Jahren, seit die Firma Schärz besteht, seien zwischen 30 und 40 Lehrlinge ausgebildet worden. Heute arbeiten insgesamt fünf Personen in Aarau und Entfelden. Nachfolge geklärt Beat Frey absolvierte seine vierjährige Lehre als Dekorateur in der Firma Schärz. Nach der RS kehrte er in seinen Lehrbetrieb zurück. Mit 27 Jahren besuchte Beat Frey die Schule zum Polstermeister, studierte Modern Design, absolvierte berufsbegleitend eine Buchhaltungsschule und holte den Handelsabschluss nach. Nach dieser langen Zeit im Betrieb ist dem Auensteiner sein Lehrgeschäft ans Herz gewachsen. So hat sich Roland Schärz, auch aufgrund fehlender Nachkommen, entschlossen seinen Betrieb an Beat Frey zu übergeben. Berner oder Aarauer? Roland Schärz überlegt lange und meint dann: «Ich bin hier zu Hause, aber natürlich war es so, dass meine Familie aufgrund einer grossen Verwandtschaft, den Bezug zum «Bernbiet» nicht ganz verloren hat». Früher hatte ich aufgrund des Eishockey spielens noch mehr den Bezug zu Aarau als heute, wo man eher zu Hause ist, oder dann unterwegs. «Meine früheren Lieblingsplätze in Aarau waren der Affenkasten, wo sich viele Sportler getroffen haben oder das Vacani im Schachen, eine Familienbeiz!», so Schärz. «Ich kam früher öfters mit meiner Grossmutter nach Aarau», erinnert sich Frey. «Später habe ich dann die Schule in Aarau besucht, deshalb habe ich auf jeden Fall einen engen Bezug zur Kantonshauptstadt ». Die Freude an Antiquitäten «Mir hat es immer Freude bereitet, zu den Kunden nach Hause zu gehen und sie in Sachen Inneneinrichtung zu beraten», erzählt Schärz. Ebenso ergeht es Beat Frey, er konnte als eines der grössten Projekte der Firma Schärz einer Eigentumswohnung am Zürichsee zu einem Schlosscharakter verhelfen. «Dies war extrem spannend», schwärmt Frey. So wendet sich seit Jahrzehnten die unterschiedlichste Kundschaft mit unterschiedlichem Budget an die Spezialisten. Die Kundenkartei ist voller berühmter Namen man kennt sich in der Antiquitätenszene. Was Antiquitäten ihnen bedeuten? «Eine Antiquität ist ein Möbelstück, dass nicht jeder hat», sagt Schärz. Frey fügt an: «Für mich bedeuten Antiquitäten, etwas individuelles zu besitzen, dass es nicht zwei Mal gibt, mit einer handwerklichen Ausführung, welche an Kunsthandwerk grenzt. Ausserdem erzählen die Möbelstücke von der Geschichte und Tradition von früher».